Das Fliesswerk
Fliesslinien, die sich dann umso intensiver in
seinen Dienst stellen. Das Erfülltsein als Geschenk des Flow.
14.
Die aufbauende Energie von Fliesslinien und Flow ist die
verlässliche und stetige Gabe der Vitalität. Prinzip aller
Nachhaltigkeit.
15.
Die Lust ist das gegenseitige Durchdringen von Vitalität, Be-
wusstsein und Erfahrung. Die Lust als reines, vitales
Bewusstsein kann in unendlich vielen Details zum Vorschein
kommen.
16.
Die ureigene Aktivität des Fliessens ist das
dynamische Lassen.
17.
Dadurch wird das Fliesswerk in typischer Weise
als Tropik
3)
aktiv, das heisst durch jene Aktivität,
welche die Dinge und Prozesse verwandelt. In
der Sprache wird die Tropik am stärksten durch
Modalverben und Infinitive repräsentiert.
4)
18.
Das Echo solcher Erkenntnisse wird in unserer
Tradition als Weisheit bezeichnet. Weisheit ist
stärker als Klugheit und Tugend. Weisheit
erkennt, weil sie erfährt, dass das Ganze mehr
ist als die Teile und dass dem Wesentlichen und
Grundlegenden nur durch Grundlegung, dem
Existieren nur durch Existieren begegnet wird.
5)
Leidenschaft
ist deren Betroffenheit, Gelassenheit deren
Selbstverständlichkeit.
19.
Der radiale Ursprung der Vitalität ist die existentiale
Ressource. Wir nennen sie das “Ur”
6)
, die “Ursprünglichkeit”.
Sie ist eine Form von dynamischer Stille, und die tiefe
Sehnsucht ist ihr Botschafter.
20.
Die zum Flow und Fliesswerk gehörigen
Erklärungen werden durch die ressourcive Philosophie
geleistet. Sie ist nie blosses Nachdenken, sondern umfasst
stets Erfahrung und Ergriffenheit des Denkenden.
21.
Der Flow ist die Erfahrung und das Erleben der (positiven)
Wirkungen dieser Fliesslinien. Dadurch erhalten Kommuni-
kation, Führung, Erziehung und Beziehungen einen neuen
Weg, um gestaltet zu werden. Die Flow-Werkzeuge bieten
Wege der konkreten Umsetzung.
22.
Der gezielte Umgang gemäss den Fliesslinien
des Flow ist die Flow-Praxis. Sie ist primär eine
Tropik, d.h. sie weckt Wandlungen. Sekundär
nutzt sie dabei Entwicklung und Veränderung,
Reden und Machen als Werkzeuge.
23.
Die Eigenheiten und Nutzungsmöglichkeiten des
Fliesswerks gehen über die Flow-Praxis hinaus.
Die Flow-Praxis jedoch ist eine prototypische
Umsetzung der Fliesswerk-Erkenntnisse in die
Praxis.
24.
Die Erkenntnisse der Flow-Praxis sind nicht
abstrakt, sondern unvermittelt und wirken nur in
Abstimmung (Konsonanz) mit der dazu
gehörigen Erfahrung.
25.
Das Fliesswerk weiss, dass das Grundlegende ein Geheimnis
ist, dass man diesem am ehesten mit präziser Zuvorkom-
menheit näher kommt, und dass mit Gewalt und Härte die
Näherung jedoch blockiert wird.
Flow - ein Geschenk des Fliesswerks
Die Eigenheiten des Fliesswerks in 25 Punkten
1.
Der Mensch ist ein Fliesswesen. Er entsteht aus lauter
Strömungen. Diese beinhalten Fliesslinien. Die Beschäfti-
gung damit ist eine Form von Nautik.
2.
Diese Strömungen zirkulieren im Inneren des
Menschen, von ihm zu seinen
konstituierenden Elementen (Struktur,
Unterbewusstsein, Hinterwille), von ihm nach
aussen (Mitwelt, Menschen, Produkte, Gesetze)
sowie hin und zurück zu seinen Anliegen.
3.
Diese Strömungen sind Kreisläufe. Die vier
grossen Arten von Kreisläufen sind:
Gegenseitigkeit, Zirkularität (Kreiskausalität, wo
jedes Ende auch der Anfang ist), Sphärenlauf
(Beeinflussbarkeit durch den Zufall und das
Risiko) und Radiallauf (ständige Versorgung mit
Energie “aus dem nichts”).
4.
Was existiert oder sich im Seienden zeigt, ist ein Ergebnis
von Strömungen. Das festgelegte Seiende ist ein Kreu-
zungspunkt von Strömungen.
5.
Die Individuen (Dinge, Lebewesen, Menschen) bestehen
aus inneren Fliesslinien.
6.
Wahrnehmung entsteht dadurch, dass innere Fliesslinien
sich “bündeln” und sich nach äusseren Fliesslinien aus-
richten. Musikalisch gesprochen treten die
inneren Fliesslinien in Resonanz mit äusseren
und umgekehrt. Wir erfahren das Phänomen,
wenn “die Chemie stimmt”. Stimmt die Chemie
nicht, wird der Mensch zum Drama.
7.
Die Perspektive, unter denen diese resonante
Fliesswerk
Bündelung (Konsonanz) erfolgt, ist der Montagepunkt; die
Perspektive wird sozusagen “montiert”.
8.
Wie das Ich sich fühlt und wie es sich und die Ausswenwelt
wahrnimmt, wird durch die Position dieses
Montagepunktes bestimmt.
9.
Analog dazu wird auch die seiende Realität
montiert. Indem wir Hände haben, werden jene
Dinge, die zur Hand passen, zu Dingen, die in
handfester Weise sind. Falls die Handlichkeit
Referenzpunkt der Montage
1)
ist, gelten die
handfesten Dinge als absolute, feste und gültige
Ta tsachen. Die Wahrnehmung wird zugleich
verengt.
10.
Bei jedem Lebewesen kann der Montagepunkt
verschoben werden. Bei den Tieren geschieht er
passiv, der Mensch aber hat die Freiheit, ihn
auch aktiv und auf gelassenes Zusehen hin zu verschieben.
11.
Die unerhörte Kreativität des Menschen beruht auf dieser
Freiheit. Diese Freiheit wird zum selbstgestalteten Gefängnis,
wenn das Ich und sein Montagepunkt durch Vorurteile, Mangel
an Bewusstsein, Eigendünkel oder Hass fixiert wird. Der
Mensch wird dadurch zu seiner Tragödie.
12.
Der Aufbau und das Funktionieren dieser Fliesslinien ist das
Fliesswerk. Die dazu gehörige Theorie nennt
sich “Fliesswerk-Theorie”. Systeme, Sprache,
Gesetze und Dinge sowie deren Aktivitäten sind
Werkzeuge des Fliesswerks
2)
.
13.
In der Navigation (= surfen auf dem Flow) stellt
sich der Mensch in den Dienst dieser
●
Bildung wird erfolgreich, wenn persönliche Bedürfnisse und
objektive Grenzen mit der genialen Instanz (Herz) zusammen finden.
1) Wird der Montagepunkt nicht durch
die Hände, sondern etwa durch Musik
festgelegt, dann erscheint die Welt als
Konzerthalle, und nur Musikalische
Ereignisse bilden die wahre Wirklich-
keit. Die Systeme und ihr
bestimmender Einfluss erscheinen
erst nachdem der jeweilige
Montagepunkt fixiert ist. Der
Montagepunkt wird nicht durch
Systeme aufrecht erhalten, sondern
durch Fixierung der Fliesslinien. Die
Systeme sind eine Folge dieser
Fixierung.
2) Die traditionelle Weltbeschreibung
sucht Richtigkeit. Störungen sind
unerwünscht. Die Systemtheorie sagt:
Störungen haben Vorrang. Die Fliess-
werk-Theorie sagt: der Zufluss von
Energie und Förderlichkeit hat
Vorrang vor Vorrang. Gesetze sind
erstarrte Fliesslinien. Feste Dinge sind
kristallisierte Facetten.
3) Tropik = Entwicklung und Einfluss als
Wandel. “Tropos” = griechisch =
“Wendung”, “Richtung”.
Die Tropen sind die Gegend um den
Äquator zwischen den beiden Wende-
kreisen der Sonne.
4) Das Fliesswerk arbeitet besonders
achtsam mit den Hilfsverben, resp. deren
Bedeutungen, weil diese mehr anklingen
lassen als jedes andere Verb, und weil
der Infinitiv (er kann kommen) am präzi-
sesten die unerhörte Mannigfaltigkeit der
Ereignisse kondensiert. Das Verb
“lassen” und die Modalverben (”können”,
“müssen”, “dürfen”, “wollen”, “sollen”,
“mögen”, sowie “sein”, “haben” und
“werden”) verändern die dynamische
Substanz eines jeden Verbes und jeder
Aktivität in radikaler Weise (z.B. von hart
zu sanft, von eng zu weit oder umge-
kehrt).
5) Das Selbst ist das Echo dieser
erfahrenen Ursprünglichkeit.
6) Die Wirkungen der existentialen
Ressource werden in verschiedenen
Disziplinen in verschiedener Weise
eingebaut. Religiöse Strömungen
sprechen in diesem Zusammenhang vom
“Göttlichen”, der Daoismus vom unbe-
schreiblichen “Dao”. Eckehart redet vom
“Urgrund”. Die Physik spricht von
“Urknall”, die Mythologien von der
“ewigen Wiederkehr der Zeit”, die
früheren Kosmologen von der “Sphä-
renharmonie”, die modernen Natur-
schützer von der “Nachhaltigkeit”. Die
Flow-Praxis arbeitet mit dem, was sich
gehört, das heisst mit dem, was entsteht,
wenn den eigentlichen Anliegen zugehört
wird. Die Flow-Kommunikation spricht
vom Echo des Eigentlichen.
Das radiale Vorgehen (aus der Nullpunt-
Ursprünglichkeit) umasst radiales Denken,
radiales Handeln, radiales Verhalten und
radiale Selbstgestaltung, persönlich und
nach aussen. Dies gilt für Personen, wie
für faktische Konstellationen oder einfluss-
mächtige Systeme.
Die Wahrnehmung wird erweitert oder
verengt, je nachdem, wie die Perspektive
gesetzt wird. Art und Reichweite des
Willens, des Bewusstseins, der Leistungs-
fähigkeit und der Bereitschaften werden
durch die Lage des Montagepunktes
bestimmt.