Zitate
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Zitat 2: Galileo Galilei: „Das Buch der Natur ist in der Sprache
der Mathematik geschrieben und ihre Buchstaben sind Dreiecke,
Kreise und andere geometrische Figuren, ohne die es ganz
unmöglich ist auch nur einen Satz zu verstehen, ohne die man
sich in einem dunklen Labyrinth verliert“.
(Galileo Galilei: II Saggiatore (1623) Edition Nazionale,
Bd. 6, Florenz 1896, S. 232)
Dementsprechend gilt für die Wirklichkeit: “Wirklichkeit ist
Erfahrung der Wirklichkeit. Ohne Erfahrung gibt es nur abstrakte
Dinge, keine Wirklichkeit. Je intensiver die Erfahrung, desto
grösser die Wirklichkeit.
Die Erfahrung der Wirklichkeit ist in der Sprache des Flow
geschrieben. Ihre Sätze sind Einladungen & Drohungen, Liebe
& Hass, Bewusstheit & Blindheit, Erfülltheit und Krieg. Ihre
Buchstaben sind Versprechen & Fallen, Grosszügigkeit &
Identität, Leere & Sein, Energie & Lassen, existenziale
Ressourcen & Tatsachen, und andere vitale Figuren. Ohne
diese ist es ganz unmöglich, auch nur einen Satz zu verstehen
von dem was Wirklichkeit eigentlich, echt und ursprünglich ist.
Ohne diese Figuren verliert man sich im dunklen Labyrinth
dessen, was der Alltagsverstand dem Menschen bietet. Unser
Alltagsverstand ist tauglich für jenen Bereich, wo es darum geht,
die Dinge handlich zu bewältigen, aber er genügt nicht, wenn
man jene Ebene erreichen will, die das Herz, den Sinn und die
wahre Grösse des menschlichen Lebens ausmacht. Ohne diese
Sprache des Flow ist jede andere Sprache (sachliche,
emotionale) und jede Kommunikation hohl und scheppert wie
eine leere Blechbüchse, die vergessen hat, dass sie ein Gefäss
aus Gold ist, das Edelsteine, herrliche Blumen und saftige
Früchte enthält.”
Johannes Gasser
Zitate
1. zitiert in >Pädagogik>Dao: Die Übersetzung von Easwaran lautet:
“Wie unser Begehren ist, so ist unser Wille. Wie unser Wille ist, so sind
unsere Handlungen. Wie wir handeln, so werden wir. “ Brihadaranyaka-
Upanischad 4.5 in: Easwaran E. (2008), Die Upanischaden. Arkana,
Goldmann, München S. 70.
Dieselbe Stelle ist auf Seite 5 (ebd.) folgendermassen wiedergegeben:
“Du bist, was dein tiefes, treibendes Begehren ist.
Wie dein Begehren ist, so ist dein Wille.
Wie dein Wille ist, so ist dein Tun.
Wie dein Tun ist, so ist dein Schicksal.”
Diese Stelle spricht von der Person, die so wird, wie ihre an Bedürfnis
und Wünsche gekoppelten Begierden sind. Diese Person, die ihre Iden-
tität an die kleinen Wünsche des Alltags, der Sinne eng koppelt, ist
einverstanden, in ihrer Kleinlichkeit zu wohnen. Sie wird eng und klein-
lich. Kleinlichkeit ist dann ihr Schicksal. Das ist keine Bosheit der
Person, sondern eine innere Folge der praktizierten vitalen Energie-
formen.
In der Pädagogik und Kommunikation sehen wir dieselbe Gesetzmäs-
sigkeit der vitalen Energien wirken. Die Flow-Praxis formuliert das oben
zitierte Anliegen der Upanischade folgendermassen:
“Wenn Dein innerer Trend (Begehren) Druck gibt oder voll drängender
Erwartungen ist, dann wird die Wirkung wie Dein Trend, nämlich voll
Druck.
Wie dein innerer Trend, so dein Wille. Dein Wille wird fordernd und
drückend.
Wie Dein Wille ist, so wird dein Tun. Deine Anweisungen oder
Aussagen werden fordernd und drückend.
Wie Dein Tun so die Reaktion des Betreuten. Der Angesprochene wird
voll Gegendruck und Abwehr. Er ist dagegen”. Das ist ein Gesetz der
Flow-Praxis, die sich aus der inneren Logik von Forderungen und Druck
ergibt. Dieses Dagegen-Sein ergibt sich nicht aus der Bosheit des
Angesprochenen.
Zitat 3: Was ist Ressourcivität? Die Stille dessen, was als Grösse schon in
uns liegt. Wecken heisst, in der Faktenwelt einen Korridor zu eröffnen,
damit dieses Potential-aus-der-Tiefe aktiviert wird. In diesem Sinne
schlagen wir vor, Goethes Zitat zu lesen.
“Wünsche sind Vorgefühle der Fähigkeiten, die in uns liegen, Vorboten
desjenigen, was wir zu leisten imstande sein werden. Was wir können und
möchten, stellt sich unserer Einbildungskraft außer uns und in der Zukunft
dar; Wir fühlen eine Sehnsucht nach dem, was wir schon im Stillen
besitzen. So verwandelt ein leidenschaftliches Vorausgreifen das wahrhaft
Mögliche in ein erträumtes Wirkliches.”
Johann Wolfgang Goethe, Dichtung u. Wahrheit, IX